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Contes de Fées - Märchen - Fairy-Tales

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 ungewöhnliche Geschichten
Blanche du Valais Offline


Beiträge: 106


22.10.2008 17:35
Die Belchenfrau - eine Begegnung der dritten Art antworten
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Plötzlich war sie weg, die Weisse Frau
Von Philipp Loser, Michael Rockenbach.

Vor 25 Jahren sorgte eine seltsame Erscheinung im Belchentunnel für Schlagzeilen: Eine Frau macht Autostopp auf der A2, stösst eine Warnung aus und verschwindet dann während der Fahrt vom Autorücksitz. Fauler Zauber? Eine urbane Legende? Die BaZ hat sich 25 Jahre danach auf eine Spurensuche gemacht. Und Erstaunliches herausgefunden.

Furchtbares wird geschehen. Die bleiche Frau stiess eine letzte Drohung aus, bevor sie spurlos verschwand.



Am Anfang war viel Gerede. Davon, dass es auch zwischen Baselbieter Erde und Himmel Dinge gebe, die nicht zu erklären sind. Dunkle Erscheinungen, erschütternde Begegnungen, Unheimliches. Fast immer drehte sich das Gemunkle damals – im Jahr 1981 – um den 3000 Meter langen Belchentunnel. Dieses dunkle Loch ins neblige Solothurn, dieses Wunder- und Wahnwerk menschlicher Überlegenheit.

Mit dem Gerede kamen die ersten Anrufe. Dann die Zeitungen. Und noch mehr Anrufe. Irgendjemand wollte bei der Einfahrt zum Tunnel eine junge bleiche Frau in weissen Kleidern gesehen haben, ein zweiter hatte die Frau schon mitgenommen und bei einem dritten war sie dann (oder manchmal auch er) während der Fahrt plötzlich verschwunden. Einfach so. «Ich hatte damals viele Anrufer am Telefon, die felsenfest behaupteten, in Eptingen ein Gespenst gesehen zu haben», sagt Armin Gyger. Der pensionierte Autobahnpolizist hat den Anrufern nie geglaubt. Eine starke Vorstellungskraft reiche, um so eine «Fata Morgana» zu erschaffen.

Bis ins Fernsehen

Für kurze Zeit schaffte es die «Weisse Frau» 1981 in die nationalen Schlagzeilen. Das Fernsehen berichtete, der «Blick» und bei einer Folge der Fernsehserie «Motel» sperrte Armin Gyger den Tunnel für Dreharbeiten. An der Fasnacht war die «Weisse Frau» allgegenwärtig, die Oberbaselbieter Ländlerkapelle komponierte einen Schottisch namens «S Bölchegspängscht» und selbst Franz Hohler fragte sich in einer Erzählung «Wer sah das Bölchengespenst?» Folge der grösseren Aufmerksamkeit war mehr Arbeit für Gyger und die Autobahnpolizei. Immer wenn die Weisse Frau in den Medien thematisiert wurde, läutete das Telefon doppelt so häufig. Ausgerückt, um die Weisse Frau zu suchen, seien sie aber nie, sagt Gyger.

Im Diegtertal gibt es seit diesen gespenstigen Tagen vor 27 Jahren kaum jemanden, der nicht irgendjemanden kennt, der einen Freund oder einen Kollegen hat, dem die Frau tatsächlich erschienen sein soll. Diesen Beobachtungen aus zweiter Hand ist eines gemein: Sie halten keiner Überprüfung stand. Die BaZ hat mehrere «Linien» solcher angeblichen Sichtungen bis zum Ende verfolgt und landete immer in einer Sackgasse. Also doch nur eine Legende? Anrufer, die sich einen Spass erlaubten? Eine Erfindung?

Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Denn die Geschichte, die sich zwei Jahre später abspielte, endet nicht in einer Sackgasse, sondern in einem Restaurant. Und diese Geschichte hat nicht nur Namen und Zeugen, sondern sogar ein Datum. Am Montagabend des 26. September 1983 setzen sich zwei angehende Basler Juristinnen in ein Auto, um zur Herbstmesse «Heso» nach Solothurn zu fahren. Die eine der beiden kennt sich im Solothurnischen aus, sie arbeitet bei der Amtschreiberei in Olten. Die Juristinnen freuen sich auf einen schönen Abend.

Kurz vor dem Tunneleingang sehen die beiden eine Frau auf dem Pannenstreifen stehen. Unauffällig gekleidet, eher schwarz als weiss, unbeholfen und bleich habe die Frau gewirkt, erinnert sich eine der Juristinnen nach dem Vorfall im Gespräch mit der Solothurner Heimatkundlerin Elisabeth Pfluger.

Die Juristinnen halten an, mitten auf der Autobahn, und lassen die Frau einsteigen. Sie macht einen schlechten Eindruck. Die drei erreichen den Tunnel, fahren hinein. Ob es ihr denn nicht gut gehe, fragt eine Juristin nach hinten. «Nei, leider nid. Nei, leider nid. Es goht gar nid guet. Es passiert öppis Schrecklichs, öppis ganz Furchtbars!» Die Juristin auf dem Beifahrersitz dreht sich nach hinten, will nachfragen. Und erstarrt: Die Frau sitzt nicht mehr im Auto.
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Die Belchenfrau - eine Begegnung der dritten Art
Von Michael Rockenbach, Philipp Loser.

Die Weisse Frau vom Belchentunnel ist nur ein Fall von vielen. Tote, die einfach keine Ruhe geben, kämen immer wieder vor: Das sagt neben einem Parapsychologen auch ein renommierter Psychiater.


Erscheint im Belchentunnel ein Geistwesens? (Bild: Fotograf/Mischa Christen)




Eigentlich wollten die beiden jungen Frauen von Basel nach Solothurn an die Herbstmesse fahren. Doch dann kurz vor dem Belchentunnel, diesem grossen schwarzen Loch, sehen sie eine Autostopperin auf dem Pannenstreifen stehen. Sie halten an, lassen die Frau einsteigen und fragen, wie es ihr gehe. «Leider gar nicht gut», sagt die bleiche, seltsam zerbrechlich wirkende Erscheinung: «Es wird etwas Schreckliches passieren.» Dann ist sie weg, verschwunden, ohne dass das Auto angehalten hätte.

Seither geistert die «Belchenfrau» durch unzählige Erzählungen, durch Zeitungen und Fernsehberichte. Das Geisterbuch «Orte des Grauens» bezeichnet sie darum als eine der bekanntesten unerklärlichen Erscheinungen der Schweiz. Doch was ist dran an dieser Geschichte, die sich am 23. September 1983 ereignet haben soll?

Mysteriöse Stimmen

«Das ist eine interessante Frage», sagt Matthias Güldenstein, Parapsychologe und Mitbegründer der Psi-Tage, 25 Jahre danach. Er sitzt im Sitzungsraum des Psi-Zentums in Riehen, das gleichzeitig sein Wohnzimmer ist, und spricht zuerst einmal über unglücklich verliebte Jugendliche und unterdrückte Sekretärinnen, die unbewusst einen Spuk auslösen können; über Handtücher, Ordner und ganze Bücherregale, die von Geisterhand bewegt durch den Raum gleiten oder auf den Boden stürzen; über unerklärliches Klopfen und mysteriöse Stimmen in alten Häusern; über das Klirren von Waffen und Schreie sterbender Menschen, die auf früheren Schlachtfeldern ewig nachhallen.

Güldenstein kennt viele Fälle von Spuk, die angeblich belegt sind, seine Bibliothek ist voll von esoterischen Werken. Er liebt diese Geschichten und wer dem Mann mit dem Rauschebart in diesem hellen, lichtdurchfluteten Zimmer mit seinen flauschigen Teppichen und den vielen Pflanzen zuhört, der wird von einem wohligen Grauen gepackt. Güldensteins Geisterwelt ist eine gute, seine Geschichten haben häufig ein Happy End wie das «Dschungelbuch» und die anderen Trickfilme, die in der Videothek des Familienvaters stehen. «Die meisten Geistwesen sind zufrieden und offen für Kontakte mit den Lebenden », sagt Güldenstein. Störend seien die Toten nur in Ausnahmefällen.

Den Spuk unterscheidet Güldenstein in zwei Kategorien: > Einerseits: Den personengebundenen Spuk, verursacht von Menschen mit psychischen Problemen, die ihre Frustrationen ausserhalb ihrer Körper ausleben. > Andererseits: Den ortsgebundenen Spuk, einem Energiewirbel, der bei einem schrecklichen Ereignis erzeugt worden ist. Ähnliche, schwer erklärbare Phänomene können auch von Geistwesen ausgelöst werden, die sich vom erfahrenen Leid noch nicht befreit haben und auf ihre unglückliche Situation aufmerksam machen möchten. Besonders sensible Menschen können dies wahrnehmen und allenfalls sogar Kontakt mit den Geistwesen aufnehmen, um ihnen, immer gemäss Güldenstein, verständlich zu machen, dass sie sich nun endlich von der physischen Welt trennen sollten.

Bei der Belchenfrau ist der Fall für Güldenstein einigermassen klar: «Diese Erscheinung ist ein ortsgebundener Spuk oder ein Geistwesen.» Möglicherweise sei die Frau irgendwo auf der Autobahn bei einem Unfall gestorben. Weiter spekulieren möchte er aber nicht, dafür kenne er die Umstände zu wenig. Güldenstein ist überhaupt vorsichtig bei seinen Bewertungen. Den Eindruck, ein Fantast zu sein, will er möglichst vermeiden. «Es gibt nun mal sehr ungewöhnliche Begebenheiten auf dieser Welt», sagt er, «man kann sie zwar nicht beweisen, das Gegenteil aber auch nicht.»

Beim Psychiater

Wissenschaftler, die sich selber als seriös bezeichnen, halten Güldensteins Theorien natürlich trotzdem für Humbug. Eine der ganz wenigen Ausnahmen ist Jakob Bösch, ehemaliger Leiter der Externen Psychiatrischen Dienste Baselland. «Raum und Zeit gibt es nicht wirklich», sagt er. Sie seien nur ein Konstrukt, das es den Menschen erleichtere, sich auf der Welt zurechtzufinden. Bösch selber will sich nichts vormachen. «Vergangenheit und Gegenwart bilden ein grosses Ganzes», sagt er. Und so findet er auch nichts Aussergewöhnliches an Kontakten zwischen Lebenden und Verstorbenen. «Erscheinungen wie im Belchentunnel gibt es immer wieder», sagt er. Nur könne sie nicht jeder sehen. Dafür brauche es «erweiterte Wahrnehmungsmöglichkeiten ». Eine Fähigkeit, die laut Bösch auch zur Belastung werden kann: «Intensive Wahrnehmungen können sich zu Angstund Wahnzuständen entwickeln.»

Sein Nachfolger bei den Externen Psychiatrischen Diensten, Alexander Zimmer, hat etwas andere Ansichten. Er hält die Toten für tot und die Vergangenheit tatsächlich für passé. Trotzdem ist auch er überzeugt, dass einzelne Menschen Verstorbene sehen können. «Sie bilden diese Erscheinungen aus ihrer eigenen persönlichen Erinnerung. Jeder Mensch schafft sich die Welt aus seiner Innenwelt», sagt er.

Die Belchenfrau – eine reine Einbildung? Eine Spiegelung der eigenen Befindlichkeit? Oder sogar nur eine Legende? Selbst das schliesst auch der Parapsychologe Güldenstein nicht ganz aus: «Seltsame Erscheinungen werden sehr vielen Tunneln nachgesagt. Wahrscheinlich hat es in irgendwelchen Tunneln auch tatsächlich Begegnungen mit Geistwesen gegeben. Nun werden diese Erfahrungen aber auf alle möglichen Orte übertragen.»

Skeptisch stimmt ihn auch, dass ein befreundetes Medium seit Jahren regelmässig durch den Belchentunnel fahre, ohne je etwas Aussergewöhnliches gespürt zu haben. «Auf anderen Abschnitten bekommt sie immer wieder eine Gänsehaut, und die Haare stellen sich ihr auf», sagt Güldenstein.

Suche nach der Zeugin

Trotzdem muss irgendetwas dran sein an dieser Geschichte vom 23. September 1983. Nach umfangreichen Recherchen der BaZ steht jedenfalls fest, dass es die beiden Frauen tatsächlich gegeben hat, dass sie an jenem Montagabend verstört ins Härkinger Restaurant «Zur Spanischen» kamen, dass sie dort die Polizei alarmierten und danach wieder nach Basel zurückfuhren. Über den Hauenstein und nicht mehr durch den Belchentunnel. Einige Tage später schilderte eine der beiden Frauen der Volkskundlerin Elisabeth Pfluger das Erlebnis. «Es war auf den ersten Blick zu sehen, dass diese Frau etwas Schlimmes erlebt hat. Sie war noch immer ganz verunsichert », sagt Pfluger.

Die Sagensammlerin schrieb die Schilderungen im Solothurner Kalender von 1985 auf, was zur Referenz für alle weiteren Berichte über die Belchenfrau wurde. Den Namen der Autofahrerin hat Pfluger nie verraten. Die BaZ hat ihn trotzdem herausgefunden. Nach längerem Überlegen lehnte die Frau, eine erfolgreiche Juristin aus dem Grossraum Basel, ein Gespräch aber ab. «Ich will das alles nicht nochmals hervorkramen», sagt sie. Offenbar hat sie in jener Septembernacht vor 25 Jahren tatsächlich etwas Schreckliches erlebt.



«Wir rufen unsere Geister selber»
Von Philipp Loser, Michael Rockenbach.

Wenn eine Bindung zwischen zwei Menschen tief genug ist, können sie die gleiche Erscheinung haben. So erklärt sich Psychiater Alexander Zimmer das Phänomen der Belchenfrau, die vor 25 Jahren aus dem Auto zweier Juristinnen verschwand.



Erscheinungen seien immer eine Spiegelung der eigenen Innenwelt, sagt Chefarzt Alexander Zimmer. Auch im Fall der Belchenfrau.

BaZ: Herr Zimmer, haben Sie in der Psychiatrie häufig mit Menschen zu tun, denen Dinge oder Personen erscheinen?

Alexander Zimmer: Wir behandeln immer wieder Leute, bei denen optische Halluzinationen zum Krankheitsbild gehören. Wir sehen aber nur jene, die im Alltag wegen ihrer Krankheit nicht mehr funktionieren können. Erscheinungen können auch gesunde Menschen haben.

Gibt es Erklärungen für solche Phänomene?

Keine allgemeingültigen. Neurobiologen erklären sich Halluzinationen mit Transmitterproblemen im Hirn, andere verfolgen eher einen psychodynamischen Ansatz. Ich selbst glaube, dass solche Erscheinungen immer mit Erlebnissen verknüpft sind und eine entsprechende Bedeutung haben.

Zusammengefasst: Diese Erscheinungen sind eine Realität.

Ja! Jeder Mensch hat einen anderen Blick auf die Realität, eine andere Wahrnehmung. Das sieht man an banalen Situationen im täglichen Leben. Und es gibt Menschen mit einer gewissen Affinität – andere nennen es Sensibilität – Dinge bildhaft zu sehen, die in ihnen rumoren. Eine Gestalt aus Fleisch und Blut, die man anfassen kann, steht in so einem Moment aber nicht vor einem.

Ihr Vorgänger als Leiter der Externen Psychiatrischen Dienste Baselland, Jakob Bösch, glaubt an eine Geistwelt. Die Kollegen von der Parapsychologie selbstredend auch. Ihnen scheint dieser Erklärungsansatz nicht zu behagen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Welt, die wir sehen, zu einem erheblichen Teil aus der eigenen Innenwelt stammt. Sieht man Geister, ist das die Spiegelung eines inneren Zustandes in die passende Umgebung der Aussenwelt.

Wir haben mit vielen Menschen gesprochen, die davon überzeugt sind, mit dem Jenseits Kontakt aufnehmen zu können.

Skeptisch bin ich bei der Behauptung, dass Verstorbene selbstständig auftauchen und sich unter uns bewegen können. Aber dass aus mir selber ein Kontakt mit jemandem entstehen kann, der etwa kürzlich verstarb und der mir sehr nahe stand, ist völlig plausibel.

Also rufen wir unsere Geister selber.

Ja. Das ist sehr ernst zu nehmen und erfüllt ein wichtiges Bedürfnis der Menschen – in Kontakt mit jenen zu bleiben, die uns einmal nahe waren. Ich zum Beispiel bespreche immer wieder mal eine Krankheitsgeschichte mit einem Chef, der mir sehr nahe stand und vor längerer Zeit verstarb.

Und ist er zufrieden mit Ihrer Arbeit?

(lacht) Nicht immer. Aber häufig. Er hat hohe Ansprüche.

Also müssen wir uns von der Vorstellung verabschieden, dass es irgendwo da draussen ein riesiges Geisterreich gibt, von wo aus unsere toten Verwandten und Freunde nach uns suchen?

Es wäre interessant und meistens schön, gäbe es das. Ich habe einen toten Bruder, und es wäre toll, würde er einfach so wieder auftauchen.

Ihre Theorie ist: Erscheinungen stammen immer aus einem selber. Die Belchenfrau wurde vor 25 Jahren aber von zwei Frauen gleichzeitig gesehen. Wie lässt sich das mit Ihrer Theorie vereinbaren?

Ein Erklärungsversuch könnte sein, dass sich die Frauen in diesem Moment sehr nahe waren. Vielleicht waren sie ähnlich gestimmt, hatten sich über die schon früher erschienenen Berichte über die Belchenfrau ausgetauscht. Dann fahren sie gemeinsam durch den schaurigen Belchentunnel und sehen die Weisse Frau.

Die Bindung zwischen den beiden ist so eng, dass sie die exakt gleiche Erscheinung haben?

Das ist denkbar, ja. Zwischen Menschen sind sehr tiefe gemeinsame Erlebnisse möglich.

Aber es bleibt für Sie als Psychiater eine Erscheinung. Wie ist es möglich, dass die Frau für die beiden derart real war?

Weil sie es in ihrer Wahrnehmung war. In diesem Moment war die Frau für die beiden da. Wenn allerdings zehn andere Menschen um dieses Auto gestanden hätten, bezweifle ich, dass die Belchenfrau von allen gesehen worden wäre.

Und wenn es nur ein Jux war?

Das ist natürlich möglich, aber ich kann es mir fast nicht vorstellen. Laut den Berichten in den Zeitungen vor 25 Jahren waren die Frauen nach dem Erlebnis verstört und aufgelöst – und das wurde auch von Zeugen beschrieben. Sowas kann man nur schwer authentisch spielen.

Ist nicht auch der Tunnel als dunkler, beengender Ort prädestiniert dafür, «komische Dinge» zu erleben?

Absolut. Wir sehen bei uns beispielsweise gelegentlich Menschen mit Tunnelphobien. Die Enge des Tunnels kann Erfahrungen wieder aufleben lassen, die tief verschüttet sind. Tunnel sind dunkle Orte und es ist unheimlich. Wenn man sich beim Durchfahren bewusst macht, wie viele Tonnen Stein da über einem sind.

Der Mensch ist nicht gerne ausgeliefert.

Überhaupt nicht. Das rührt an unsere Urängste: Wir werden nur ungern eingeschränkt und brauchen unsere Bewegungsfreiheit, brauchen Kontrolle.

Angenommen, die Frauen haben das Gespenst wirklich gesehen. Was empfehlen Sie ihnen: Soll man zu Ihnen kommen oder die Erscheinung ignorieren?

Wenn die Frauen als Reaktion auf die Erscheinung ihr Studium abgebrochen hätten und im Alltag nicht mehr funktionierten, hätte etwas gemacht werden müssen. Wenn die Erscheinung ihr Leben aber nicht weiter beinträchtigte, muss man sicher nichts unternehmen. Menschen mit einer grösseren Sensibilität haben meiner Meinung nach ein reicheres Leben. Sie sollten diese Fähigkeit geniessen. Schauen Sie mal aus dem Fenster, auf diesen Baum. Es gibt Menschen, die sehen nur einen Baum. Und es gibt Menschen, die sehen den Baum atmen. Erfreuen sich an der Vitalität des Baumes, spüren seinen Schmerz, seine Freude. Es ist doch ein Urbedürfnis von uns Menschen, in andere Bewusstseinssphären zu gelangen – denken Sie nur an unseren Drogen- und Alkoholkonsum.

Trotzdem wird jemand, der einen Baum atmen sieht, von der Gesellschaft lächerlich gemacht.

Das ist in der Tat wahr, und es ist schade. Warum ist das eigentlich so?

Weil es nicht die Norm ist.

Ja, wir halten uns gerne an das, was wir fassen können. Wir sehen einen Baum und sehen einen Haufen tote Materie. Alles, was darüber hinausgeht, macht uns Angst. Darum glauben wir das, was die Mehrheit sieht.

Ihr Vorgänger Bösch hat bei seiner Arbeit die Hilfe von Medien in Anspruch genommen. Er meinte, es sei egal, was die Wahrheit sei – Hauptsache, es helfe dem Patienten.

Das ist eine sehr wahre Aussage, und vielleicht kann diese Hilfe ein Medium sein – das will ich gar nicht abstreiten. Es gibt sicher Menschen, denen eine heilende Fähigkeit sozusagen in die Wiege gelegt wurde. Ich halte mich aber lieber an professionell ausgebildete Mitarbeitende wie unsere Ärzte mit einer medizinischen Grundausbildung von sechs Jahren und anschliessender ebenso langer Spezialisierung in Psychiatrie und Psychotherapie. In dieser Zeit lernen wir standardisiert so vieles, was für die Behandlung von Menschen mit psychischen Problemen wichtig ist. Etwa, wie man eine Beziehung professionell aufbaut, sie im Sinne des Heilungsprozesses nutzt und sich gegen Ende der Therapie wieder professionell überflüssig macht.

Also würden Sie eher nicht mit Medien zusammenarbeiten.

Nein. Wir kommen eigentlich ohne Medien ganz gut zurecht. Wenn ich aber den Eindruck hätte, wir erreichten damit eine bessere Ergebnisqualität – warum nicht? Mir sind aber keine seriösen Vergleiche zwischen medialer und klassischer psychotherapeutischer Arbeit bekannt, in denen die mediale Heilung besser abgeschnitten hätte. Würde das der Fall sein, könnte ich mir vorstellen, die entsprechenden Wirkfaktoren in klassischen Methoden zu integrieren.

Auch ohne seriöse Untersuchung scheint der Markt für Medien riesig zu sein.

Ja, es ist ein riesiges Bedürfnis vieler Menschen. Damit drückt sich meiner Meinung nach auch ein gewisses Unbehagen darüber aus, in welche Richtung die Medizin heute geht.

Pillen statt Beziehung.

Genau. Der Mensch braucht in erster Linie Beziehung. Es ist bewiesen, dass eine positive therapeutische Beziehung eine Voraussetzung für den Erfolg jeder Therapie ist. Diese Beziehung erhält er bei Medien ganz stark. Das müssen wir in der klassischen Medizin wieder mehr beachten.

Quelle: Basler Zeitung vom 20/21/22.10.2008





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